Neurogogik ist ein pädagogischer, entwicklungsbegleitender Beratungsansatz, der Erkenntnisse aus der Hirnforschung (Neuroplastizität)nutzt, um maladaptive Verhalten mit neuen Ansätzen zu verändern. Der Begriff Neurogogik ist ein Kunstwort (neuro=das Nervensystem und (päda-)gogik= Menschen anleiten, begleiten).

neurogogik.ch
Neues Verständnis für neue Handlungsansätze
Neurowissenschaft erforscht – Neuroedukation erklärt – Neurogogik begleitet Veränderung
Grundverständnis von Neurogogik
Bereits Santiago Ramón y Cajal forschte in den frühen 1900er Jahren zum Begriff „neuronale Plastizität“ (Fuchs & Flügge, 2014). In den späteren 60igern wurde daraus der Begriff „Neuroplastizität“. Cajal erkannte, dass sich Gehirne im Gegensatz zur damaligen Auffassung tatsächlich verändern können, nachdem ein Mensch das Erwachsenenalter erreicht hat.
- Neurogogik versteht sich an der Schnittstellt von Pädagogik zu Therapie
- Neurogogik setzt sich ein, dass Verhalten aufgrund sozialer Probleme nicht fälschlicherweise pathologisiert werden
- Neurogogik versteht maladaptive Verhalten als Schutzreflex und als logische Folge auf Körperreaktionen und Emotionen
- Neurogogik unterstützt Menschen darin, ihr Nervensystem zu verstehen, zu regulieren, Stress zu reduzieren und so neue Handlungsmöglichkeiten einzuüben
Fachpersonen und Organisationen in der sozialen Arbeit sehen sich oft mit herausfordernden Verhalten von Klienten, Eltern aber auch Mitarbeitenden konfrontiert. Als Fachperson, welche im professionellen pädagogische Kontext tätig sind, sind angehalten, eigene Verhalten zu erkennen, überprüfen und ggf. zu verändern. Ein wichtiger Bildungsauftrag wie mir scheint.
Was ist jetzt mit dieser Neuroplastizität?
Doidge (2014,S.7) definiert Neuroplastizität als die Fähigkeit des Gehirns, seine Struktur und Funktion in Reaktion auf (geistige) Erfahrungen zu verändern. Neuroplastizität ist somit die Veränderungsmöglichkeit des Gehirns infolge gezielter (bewusster oder indirekter) geistiger Aktivität. Mittels neuer Erfahrungen wird das Gehirn aktiv neuen Vernetzungsmustern ausgesetzt.
Die dazu erarbeiteten Erkenntnisse setzt Neurogogik in der Arbeit mit Kindern, Eltern, Fachpersonen oder Leitungspersonen in verantwortungsvollen Positionen um.
Neurogigik.ch stellt Verhalten ins Zentrum, welche nicht auf einen pathalogischen Umstand zurückzuführen sind, sondern vom Gehirn fehlinterpretiert werden und als fehlverhalten oder nicht situationsadäquates (maladaptives) Verhalten definiert wird.
Zum weiteren Verständnis: Aufgrund dessen, dass es im neurogogischen Bereich noch weinige Forschungsergebnisse gibt, stütze ich mich auf Alan Gordon und andere, welche mit ihrer Forschung aufgezeigt haben, dass körperlich begründbarer Schmerz in funktionellen magnetresonanztomografischen Aufnahmen im Thalamus und präfrontalen Cortex erkennbar wird, während neuroplastischer, also vom Gehirn fehlinterpretierter Schmerz, sich in Berieche des Gehirns verlagert, welche für Kreativität, Lernen und Erinnern assoziiert sind (Alan Gordon, Wege aus dem Schmerz, Seite 95. W.G Derbyshire, Matthew G. Whalley, V. Andrew Stenger und David A. Oakley: «Cerebral activation during hypnotically inducend an imagined pain» in Neuroimage 23, Nr. 1 (2004): S. 392-401.).
Diese Unterscheidung bei Verhalten, welche durch Fehlinterpretation des Gehirns ausgelöst werden und den Körper in falsche Alarmbereitschaft und somit erhöhte emotionale Aktivität versetzt, ist äusserst wichtig in der professionellen Arbeit.
Durch gezielte Arbeit an Sicherheitsbedürfnissen, der Körperwahrnehmung (Achtsamkeitstraining) und der emotionalen Regulation, kann das Nervensystem sich entspannen. Diese Entspannung ist Grundvoraussetzung für neue Erfahrungen und um Angstprogramme oder Abwehrverhalten zu verändern.
In der Neurogogik geht es somit darum, ein überaktiviertes Nervensystem zu beruhigen und unnötige wie auch belastende Schutzreaktionen zu verlernen.
Der Fokus bei Neurogogik liegt auf:
→ neurologische Zusammenhänge zu verstehen →Verhalten und Emotionen zu beobachten und regulieren zu lernen → neue Handlungsideen zu entwickeln → neue Handlungsmuster einzuüben, zu überprüfen, weiterzuführen →mit dem Ziel negative Stressemotionen nachhaltig zu überschreiben
Neurogogik arbeitet ohne pathologische Diagnostik, ohne therapeutische Techniken und ohne Behandlung psychischer Störungen. Es ist klar von therapeutischen Massnahmen getrennt, ist alltagsorientiert und pädagogisch.